"Janet, Janet!" Sie hörte Ken deutlich rufen. War es real oder Einbildung? Sie war an der nasskalten Felswand in schwindelnder Höhe in einer verzweifelten und ausweglosen Situation. Nur mit ihrem Mantelgürtel an einem vergessenen Bergsteigerhaken befestigt, hing sie in der Kälte. Eis hatte sich auf ihren Augen gebildet. Der Körper war wie gefroren. Aber sie hatte einen Platz in ihrem Inneren gefunden, der warm war, und sie versuchte diese Wärme in ihrem Inneren auszudehnen. Ein Kampf der inneren Wärme gegen die äußere Kälte.
"Janet, hilf mir!" Warum? Sollte Ken nicht ihr helfen? Was war los? Sie erinnerte sich daran, dass sie Ken in einer fremden Küche gesehen hatte. Was machte er da?
Sie ließ ihre Aufmerksamkeit in diese Erinnerung schweifen. Und sie sah wieder Ken vor dieser Küche. Er sah verzweifelt aus. Gefängnisgitter vor ihm kerkerten ihn ein. Auf dem Herd dampfte der Römertopf mit menschlichem Fleisch. Vor dem Gitter eine Frau. Sie holte aus einem Schrank ein Gewehr. Langsam, jeden Schritt auskostend schritt sie auf das Gitter zu. Ihr Gesicht voller Freude. Ken verzweifelt, er versuchte, sich zu verstecken. Er schaute im Raum herum, um eine Deckung zu finden. Die Frau ließ ihm genüsslich Zeit, festzustellen, dass es keine Deckung und keine Rettung für ihn gab. Ken blieb stehen und sah die Frau an.
"Warum machst Du das? Sprich mit mir!" Seine Stimme war voller Angst.
Sie hob das Gewehr und legte auf ihn an. Sie zielte auf seinen Kopf, dann schwenkte langsam das Gewehr auf seinen Bauch und dann auf sein Herz.
"Nein!" schrie Janet auf. "Nein!" Sie war in dieser Szene als wäre sie tatsächlich mit dabei. Aber sie konnte nicht handeln, sie konnte nur sehen! Da war Ken, den sie liebte und als sie seine Hilflosigkeit sah, liebte sie ihn noch mehr. Denn sie wusste, was Hilflosigkeit war. Sie war es selber. Eine Hilflose sah die Hilflosigkeit desjenigen Menschen, den sie liebte. Und sie erkannte, wie sehr sie ihn liebte.
Ihr Herz floss zu Ken hin und sie hoffte, es möge ihm helfen, wenn diese grausame Frau abdrücken würde.
Ken begann hin und her zu springen. Das würde den Schuss unmöglich machen, hoffte er. Aber diese Frau lachte nur.
"Spring, Hase, spring du nur! Wie lange kannst du springen? Ich habe Zeit!"
Janet versuchte Ken Kraft zu geben. Sicher, irgendwann würde er erschöpft aufgeben müssen, aber man darf nie aufgeben. Ein Wunder kann immer möglich sein!
Und tatsächlich, sie hatte Recht. Diese schreckliche Frau hatte Recht. Ken wurde es müde. Er wollte nicht mehr hin und her springen.
Er stand vor ihr den Schuss erwartend. Und sie schoss. Janet schrie auf und der Betäubungspfeil bohrte sich in Kens Oberschenkel.
Wie gehts weiter? Lesen Sie die 8. Folge: Das Licht
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