Freitag, 19. November 2010

6. Folge: Stimmen im Nebel

Janet an der nasskalten Felswand. Die Nacht war angebrochen. Finsternis umhüllte sie. Sie spürte den Nebel um sich. Sie hatte eine innere Wärme gefunden. Ob es Einbildung war oder real, das war ihr egal. Sie konnte sich innerlich einigermaßen wohlfühlen und versuchen, ihre schreckliche äußere Lage zu kompensieren. Allerdings nur versuchen. Sie erinnerte sich, dass sie früher einmal in einem Workshop über glühende Kohlen gegangen war. Wenn man Hitze nicht spürt, dann muss man auch Kälte nicht unbedingt spüren müssen. 
Janet versuchte, die warme Innerlichkeit weiter in sich auszubreiten. In ihrem Kopf irgendwo hörte sie Ken nach ihr rufen. Anfänglich war es ihr klar, dass es nur Einbildung war und die Vorstellung ihrer Rettung sich in ihr psychologisch manifestierte. Der Gedanke meldete sich, warum Ken sie nicht retten käme. Er müsste sie doch vermissen. Hatte sie nicht auf einen Zettel geschrieben, dass sie auf "ihrem" Weg etwas gehen wollte? Hatte sie nicht den Zettel auf den Tisch gelegt? Hatte sie nicht den Schlüssel unter die Fußmatte am Eingang gelegt?
Aber diese Gedanke wurde Janet zunehmend zu anstrengend. Sie konnte nicht anders, als sich in die innere Wärme, wenn auch eingebildet, fallen zu lassen. Und wenn sie sich fallen ließ, hörte sie um so deutlicher Ken nach ihr rufen. Wenn es doch wahr wäre! Sie versuchte, die Augen zu öffnen. Die Lider waren schon mit dünnem Eis verschlossen. Sie konnte die Augen nicht öffnen. Aber sie glaubte, sie würde die Augen öffnen. Der Traum hatte die Realität übernommen. Ja, sie sah Ken, er stand vor ihr. Aber warum war er in einer Küche? Er müsste doch an einem Seil hängen und sich von oben abgeseilt haben. Er rief ihr etwas zu. Was rief er? Und in welcher Küche stand er? Sie hatte diesen Herd noch nie gesehen! Und warum pulsierte der Römertopf auf dem Herd? Sie konnte in ihn hineinschauen und sie erschrak. Sie sah einen Mensch in diesem Topf. Ein gekochter Mensch. Arme und Beine in Stücke geschnitten.
Sie war geschockt. Halluzinierte sie? Sie zwang sich zur Realität, schüttelte sich innerlich, zwang sich zur Wachheit und sie wurde langsam wach. Sie fühlte zunehmend das Eis auf ihren Augen und erkannte, dass sie gar nicht sehen konnte, dass die Lider zu schwach waren, das Eis auf ihnen zu brechen.


Wie gehts weiter? Lesen Sie die 7. Folge: Oh, Gott!

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