Dienstag, 16. November 2010

5. Folge: Gefangen

"Was soll das?" Ken rappelte an den Gitterstäben. Daniela schaute ihn nur an und lächelte.
"Iss Gulasch!" sagte sie nur und schaute ihn weiter starr an.
"Was soll der Unsinn?" Ken wurde ungeduldig, "mach keinen Quatsch! Lass mich raus!"
"Das geht nicht mehr! Du wirst da drin bleiben müssen!" Daniela zeigte Bedauern, was allerdings ironisch gemeint war.
"Wenn ich zu irgendetwas keinen Bock habe, ist es, hier drin gefangen zu sein! Das ist Freiheitsberaubung, ein Strafdelikt!"
"Es wird noch viel mehr sein als das! Kennst Du die Geschichte von Hänsel und Gretel?"
"Und Du die Hexe?"lachte er.
"Ja, ich die Hexe!" Ihre Augen blickten starr auf ihn.
"Und wann wirst Du mich verspeisen?" lachte Ken noch auf, aber dann sah er in ihren Augen etwas Fremdes, was ihn erschreckte. Das sah gar nicht gut aus.
"Iss Deinen Gulasch. Dann wirst Du kräftiger und mache Liegestütze, dann kriegst Du kräftigere Muskeln!"


Janet hatte an der nass-kalten Felswand hängend eine Stelle in ihrem Bewusstsein gefunden, in der sie die nasse Kälte nicht spürte.
Sie war, wenn sie so wollte sogar warm. Ob Einbildung oder nicht, das war Janet völlig egal, diese Stelle gab ihr Wärme.
Ob Ken nun endlich das Blockhaus, ihr Blockhaus erreicht hatte? Ob er endlich angekommen war? Und würde er sie suchen? Natürlich würde er sie suchen, er würde herumlaufen und laut nach ihr rufen und sie musste die Kraft haben, laut antworten zu können. Dann würde die Bergwacht kommen und alles wäre gut. Sie müsste nur wach bleiben, damit sie ihn hören könnte. Sagte sie sich und lauschte in die nebelige Umgebung. War da nicht, rief er da nicht schon? Hörte sie da nicht schon das befreiende "Janet! Janet!"
Hatte sie es nicht gerade eben gehört? Oder war es eine Einbildung?


Lesen Sie in der 6. Folge: Stimmen im Nebel 

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