3. Folge: Daniela und das Tantra des Todes
In der Blockhütte war niemand. Ken klopfte und starrte durch die kleinen Fensterscheiben und rief laut ihren Namen. Es war dunkel geworden und die Tür war verschlossen. Einbruchsicher. Der Lift war schon nicht mehr in Betrieb. Ken war mit der letzten Fahrt gekommen.
Jetzt saß er fest. Er suchte mit den Augen nach einem Überlebensplätzchen für die Nacht. Unruhe kam in ihm auf. warum war Janet nicht zu hause? Es war doch ihr geheimes Zuhause dort oben in den Bergen! Er holte sein Mobilphon aus der Tasche und wollte sie an läuten, aber es war kein Netz vorhanden. Missmutig stapfte er wieder und wieder um das Blockhaus, eine Lösung zu finden sich erhoffend. War sie gar nicht gekommen? Kommt sie erst morgen? Janet war doch gar nicht so unzuverlässig! Oder doch? Da hatte es doch schon mal Situationen gegeben, wo sie unpünktlich gewesen war. Unmut machte sich in Ken breit.
Seine romantische Hoffnung schlug um in Enttäuschung und dann in leichtem Zorn auf eine Frau, die er liebte und die in schon aussichtslkoser Lage an kalter und nasser Felswand hing ohne dass er es wissen konnte und überhaupt jemand.
Und nur, weil er zu spät gekommen war! Deshalb hatte sie einen kleinen Spaziergang gemacht, war im Nebel vom Weg abgekommen und steckte nun an der Wand fest. Sie hatte einen Haken, den ein früherer Bergsteiger in der Wand gelassen hatte, mit fast erfrorenen Fingern ertastend gefunden und hatte sich an ihn mit dem Gürtel ihres Mantels festgebunden. So konnte sie wenigstens nicht mehr abstürzen. Unter ihr war eine Grauen erregende Tiefe, deren Grund sie im Nebel Gott sei Dank nicht sehen konnte. Nur gegen die Kälte konnte sie nichts tun. Sie konnte nur in einem kleinen Teil ihres Bewusstseins still verbleiben und versuchen, diesen mit warmen Gedanken aufzuheizen. Aber ob das vom Kältetod retten konnte, das wusste sie nicht. Sie konnte nur hoffen.
Die eiskalten Nebelfinger der Nebelwand klebten schon längst an ihrer Haut, die nicht mehr warm und sinnlich war, sondern so hart und so abstoßend wie Eis in den Kältekammern eines Leichenschauhauses.
Ken setzte sich auf einen Stapel Holzblöcke. Er vergrub seinen Kopf in seine Hände und begann die Kälte zu fühlen. Ob er ein Fenster einschlagen sollte? Das würde nichts nutzen, denn das Fenster war zu schmal für Kent. Er würde nicht hindurch passen.
"Na, ausgesperrt?" Er hörte eine Stimme, er hatte niemanden herannahen gehört, aber neben ihm stand eine plötzlich eine Frau. Erst hoffte er, Janet zu sehen, aber es war nicht Janet.
"Ich bin hier verabredet aber es ist keiner da!"
"Du wirst hier erfrieren. Komm mit, ich habe eine Hütte ganz in der Nähe. Und im Ofen ist ein warmes Essen im Römertopf!" Ihre Stimme war sehr verlockend, so wie das warme Essen und überhaupt, sie sah doch sehr anregend aus. War es Janet nicht selber schuld, dass er mit ihr ging? Sie hatte etwas an sich, das ihn wie magisch anzog.
"Ken!" stellte er sich vor.
"Daniella!" antwortete sie und gab ihm ihre Hand. Sie fühlte sich an, dass ihm sein Herz bis in den Hals schlug. Sie sah es und sagte freundlichst: "Es ist kalt hier ob ohne Feuer und etwas Warmes zu essen! Wir müssen sehen, dass wir schnell zu mir nach hause gelangen, bevor auch hier der Nebel angekommen ist!" Er nickte dankbar und folgte ihr wie ein Hund dem Frauchen.
Wie geht die Geschichte weiter? Lesen Sie in der nächsten 4. Folge:
"Römertopf- Gulasch"
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